Hallo Mädels,
früher fand ich ein komplett freies Wochenende fast ein bisschen verdächtig. Kein Frühstück mit Freundinnen, kein Besuch, kein Ausflug, kein Familienprogramm, keine Reservierung, keine Veranstaltung. Einfach nichts. Heute klingt genau das manchmal wie die luxuriöseste Form von Freizeit überhaupt. Zwei Tage, an denen niemand irgendwohin muss, kein Wecker klingelt und kein Kalender im Hintergrund schon wieder mit den Augen rollt.
Freizeit ist erstaunlich oft gar nicht frei
Wir sprechen gerne von Freizeit.
Dabei ist vieles davon längst verplant.
Samstagvormittag einkaufen.
Mittags Kinder irgendwohin fahren.
Nachmittags Geburtstag.
Abends Essen mit Freunden.
Sonntag Familienbesuch.
Danach vielleicht noch Wäsche.
Natürlich sind viele dieser Dinge schön.
Nur entsteht dadurch etwas Merkwürdiges:
Man hat Wochenende und trotzdem keinen Moment, in dem man einfach entscheiden kann, was man jetzt machen möchte.
Ein voller Kalender sieht produktiv aus
Ein Wochenende mit vielen Terminen vermittelt schnell das Gefühl, etwas erlebt zu haben.
Man war unterwegs.
Hat Menschen gesehen.
War essen.
Hat etwas unternommen.
Vielleicht gibt es sogar Fotos davon.
Ein leeres Wochenende produziert dagegen kaum sichtbare Ergebnisse.
Man sitzt auf dem Sofa.
Trinkt Kaffee.
Geht vielleicht spazieren.
Räumt irgendetwas auf.
Oder eben nicht.
Und trotzdem kann genau das wesentlich erholsamer sein.
Nichtstun fühlt sich manchmal erst einmal falsch an
Der Samstag beginnt.
Niemand muss irgendwohin.
Und plötzlich entsteht fast automatisch die Frage:
„Was machen wir heute?“
Als wäre ein freier Tag ein Problem, das dringend gelöst werden muss.
Vielleicht könnten wir in die Stadt fahren.
Einen Ausflug machen.
Freunde anrufen.
Shoppen gehen.
Irgendetwas.
Hauptsache nicht einfach nur da sein.
Wir haben uns erstaunlich gut daran gewöhnt, freie Zeit sofort wieder zu füllen.
Planung kann Freizeit in Arbeit verwandeln
Natürlich macht Vorfreude Spaß.
Ein schönes Restaurant buchen.
Ein Wochenende wegfahren.
Tickets kaufen.
Etwas Besonderes unternehmen.
Aber Planung bedeutet eben auch Organisation.
Wo?
Wann?
Mit wem?
Wie kommen wir hin?
Wer kümmert sich darum?
Was kostet es?
Wer reserviert?
Freizeit bekommt dadurch plötzlich ähnliche Strukturen wie Arbeit.
Nur dass man sich freiwillig selbst die Termine einträgt.
Ein leerer Kalender gibt Entscheidungen zurück
Das Schöne an einem freien Wochenende ist nicht, dass man nichts tun darf.
Es ist, dass man nichts tun muss.
Das ist ein großer Unterschied.
Man kann morgens entscheiden, ins Café zu gehen.
Oder zu Hause bleiben.
Man kann spontan Freunde treffen.
Oder niemanden.
Man kann kochen.
Bestellen.
Spazieren.
Schlafen.
Das Entscheidende ist: Die Entscheidung fällt erst dann, wenn man weiß, worauf man tatsächlich Lust hat.
Spontaneität braucht freien Platz
Wir romantisieren spontane Unternehmungen gerne.
„Lass uns einfach losfahren.“
„Komm, wir gehen noch irgendwo essen.“
„Heute machen wir einfach mal etwas Verrücktes.“
Das funktioniert nur, wenn der Kalender noch Platz dafür hat.
Wer jedes Wochenende Wochen im Voraus durchgeplant hat, besitzt zwar viele Termine.
Aber kaum Spontaneität.
Ein freier Tag ist deshalb nicht leer.
Er ist offen.
Ausschlafen ist keine verschwendete Zeit
Es gibt kaum etwas Schöneres als aufzuwachen und nicht sofort wissen zu müssen, wie spät es ist.
Kein Wecker.
Keine Termine.
Kein hektischer Blick aufs Handy.
Man dreht sich noch einmal um.
Oder steht auf, weil man tatsächlich ausgeschlafen ist.
Das ist etwas völlig anderes als Schlaf nachzuholen, weil man die ganze Woche zu wenig bekommen hat.
Es ist Schlaf ohne Verpflichtung.
Besonders Eltern kennen das Problem
Ein Wochenende ohne Termine klingt für Familien fast utopisch.
Sportverein.
Geburtstage.
Besuche.
Schulveranstaltungen.
Familientreffen.
Irgendetwas ist eigentlich immer.
Dazu kommen die Dinge, die unter der Woche liegen geblieben sind.
Einkaufen.
Wäsche.
Aufräumen.
Hausaufgaben.
Plötzlich ist Sonntagabend und man fragt sich, wo genau dieses Wochenende eigentlich gewesen sein soll.
Kinder müssen auch nicht ständig bespaßt werden
Das ist ein Gedanke, der im modernen Familienleben manchmal verloren geht.
Kinder dürfen sich langweilen.
Sie dürfen einen Vormittag zu Hause verbringen.
Sie müssen nicht jedes Wochenende in Tierpark, Kino, Trampolinhalle, Schwimmbad oder Museum gefahren werden.
Natürlich sind gemeinsame Ausflüge schön.
Aber ein Familienleben, das nur noch aus organisiertem Programm besteht, kann erstaunlich anstrengend werden.
Auch für Kinder.
Langeweile kann überraschend produktiv sein
Wenn nichts geplant ist, passiert irgendwann etwas Interessantes.
Man beginnt selbst, etwas zu finden.
Ein Buch.
Ein Spiel.
Ein Spaziergang.
Kochen.
Eine Schublade, die seit Monaten nervt.
Oder tatsächlich einfach gar nichts.
Nicht jede freie Minute muss sofort optimal genutzt werden.
Manchmal entsteht gerade aus fehlendem Programm eine Idee, auf die man in einem vollgepackten Tag nie gekommen wäre.
Wir verwechseln Erlebnis mit Erholung
Ein Wochenende kann fantastisch sein und trotzdem anstrengend.
Freitagabend Veranstaltung.
Samstag Tagesausflug.
Abends Restaurant.
Sonntag Brunch.
Alles schön.
Nur startet man Montag möglicherweise müder in die Woche als am Freitag.
Das ist kein Fehler.
Freizeit darf schließlich auch aufregend sein.
Aber wenn jedes Wochenende so aussieht, fehlt irgendwann echte Erholung.
Der Montag ist ein erstaunlich guter Test
Man merkt oft erst montags, ob das Wochenende erholsam war.
Bin ich wieder halbwegs aufgeladen?
Oder brauche ich eigentlich Urlaub vom Wochenende?
Natürlich kann auch ein ruhiges Wochenende müde machen.
Aber wenn man regelmäßig montags das Gefühl hat, zwei weitere freie Tage zu benötigen, ist vielleicht nicht die Arbeitswoche allein das Problem.
Vielleicht ist auch die Freizeit zu voll.
Sozialleben kann ebenfalls erschöpfen
Menschen zu treffen kann wunderschön sein.
Es kann aber auch Energie kosten.
Reden.
Zuhören.
Sich auf andere einstellen.
Termine koordinieren.
Pünktlich sein.
Besonders wer beruflich bereits viel kommuniziert, kann am Wochenende ein starkes Bedürfnis nach Ruhe entwickeln.
Das bedeutet nicht, plötzlich alle Menschen zu hassen.
Es bedeutet nur, dass soziale Energie ebenfalls begrenzt ist.
Man muss nicht jede Einladung annehmen
Dieser Satz klingt banal.
Trotzdem fühlen sich Einladungen schnell wie Verpflichtungen an.
Geburtstag.
Grillabend.
Kaffee.
Gemeinsamer Ausflug.
Natürlich möchte man Menschen nicht enttäuschen.
Aber wenn jedes freie Wochenende bereits Wochen im Voraus vergeben ist, darf man irgendwann auch sagen:
„Dieses Wochenende halte ich mir frei.“
Das ist kein schlechter Grund.
Eigentlich ist es überhaupt kein Grund, der erklärt werden müsste.
Ein Nein schützt manchmal das eigene Wochenende
Wir behandeln Termine gerne so, als wären sie automatisch wichtiger als freie Zeit.
Ein Termin steht im Kalender.
Also zählt er.
Ein freier Samstag steht nirgendwo.
Also kann man noch etwas hineinschieben.
Genau dadurch verschwindet freie Zeit.
Vielleicht sollte „nichts“ gelegentlich genauso geschützt werden wie ein offizieller Termin.
Samstag: nichts.
Leider bereits belegt.
Das Zuhause fühlt sich anders an, wenn man dort nicht nur zwischen Terminen vorbeikommt
Unter der Woche ist die Wohnung oft Basisstation.
Nach Hause kommen.
Essen.
Duschen.
Wäsche.
Schlafen.
Wieder los.
Am freien Wochenende kann das Zuhause plötzlich wieder Aufenthaltsort sein.
Man sitzt länger beim Frühstück.
Öffnet ein Fenster.
Hört Musik.
Kocht langsam.
Vielleicht verändert man irgendeine Ecke.
Nicht weil es erledigt werden muss.
Sondern weil man Zeit dafür hat.
Ein langsames Frühstück ist unterschätzter Luxus
Kein Kaffee im Stehen.
Kein „Wir müssen in 20 Minuten los“.
Kein schneller Blick auf die Uhr.
Vielleicht Brötchen.
Zeitung.
Noch ein Kaffee.
Und niemand räumt hektisch ab.
Solche Kleinigkeiten fühlen sich erstaunlich luxuriös an, wenn der Alltag normalerweise eng getaktet ist.
Luxus muss offenbar nicht immer teuer sein.
Manchmal braucht er hauptsächlich Zeit.
Zeit ohne Zweck fühlt sich ungewohnt kostbar an
Viele Tätigkeiten haben einen Zweck.
Sport für Gesundheit.
Lesen zur Weiterbildung.
Aufräumen für Ordnung.
Kochen für Ernährung.
Spazieren für Bewegung.
Vielleicht darf man gelegentlich etwas tun, ohne daraus einen Nutzen zu bauen.
Lesen, weil das Buch Spaß macht.
Spazieren, weil draußen Sonne ist.
Kuchen backen, weil Kuchen gut ist.
Der Nutzen besteht dann darin, dass man Lust darauf hatte.
Das reicht.
Selbstoptimierung kann sogar Freizeit besetzen
Es ist erstaunlich, wie schnell Entspannung zur nächsten Aufgabe wird.
Meditation.
Journaling.
Meal Prep.
Sport.
Achtsamkeit.
Leseliste.
Schritte sammeln.
Natürlich kann all das guttun.
Nur kann selbst Wellness irgendwann wie ein Projektplan aussehen.
Wenn ich am Sonntagabend das Gefühl habe, mein Erholungsprogramm nicht vollständig abgearbeitet zu haben, ist irgendwo etwas schiefgelaufen.
Man darf einen Tag auch einfach vertrödeln
Dieses Wort klingt wunderbar negativ.
Vertrödeln.
Als hätte man Zeit versehentlich verloren.
Vielleicht lag man zwei Stunden auf dem Sofa.
Hat Videos geschaut.
Mit jemandem telefoniert.
Aus dem Fenster gesehen.
Zwischendurch etwas gegessen.
Und plötzlich war Nachmittag.
Katastrophe.
Oder vielleicht genau das, was man gebraucht hat.
Nicht jede Stunde braucht ein Ergebnis.
Das Handy kann aus einem freien Tag trotzdem einen vollen machen
Man hat keinen Termin.
Aber 14 Nachrichten.
Social Media.
Mails.
Gruppenchats.
News.
Online-Shopping.
Videos.
Ein freies Wochenende kann körperlich ruhig und mental vollkommen überladen sein.
Das merkt man manchmal erst am Abend.
Man war den ganzen Tag zu Hause und fühlt sich trotzdem, als hätte man ständig etwas verarbeitet.
Vielleicht gehört zum Nichtstun deshalb gelegentlich auch, nicht jede digitale Tür offen zu lassen.
Erreichbarkeit ist ebenfalls eine Form von Termin
Eine Nachricht kommt.
Man antwortet.
Dann noch eine.
Jemand ruft an.
Jemand braucht kurz etwas.
Plötzlich ist der Tag zwar nicht geplant, aber ständig unterbrochen.
Natürlich muss niemand das Telefon ausschalten.
Aber man darf durchaus entscheiden, nicht sofort verfügbar zu sein.
Ein freier Tag muss nicht gleichzeitig Bereitschaftsdienst für das gesamte Umfeld sein.
Ein Wochenende ohne Termine kann Beziehungen guttun
Auch Paare verbringen erstaunlich viel gemeinsame Zeit in Organisationsmodus.
Wann fahren wir los?
Was müssen wir einkaufen?
Wer holt wen ab?
Wann kommen die Gäste?
Was machen wir morgen?
Wenn nichts geplant ist, entstehen plötzlich andere Gespräche.
Man sitzt länger.
Redet.
Oder schweigt gemeinsam.
Auch das kann Nähe sein.
Gemeinsames Nichtstun ist eine unterschätzte Beziehungsfähigkeit
Mit jemandem aufregende Dinge zu erleben ist leicht.
Zusammen einen Wochenendtrip machen.
Restaurant.
Konzert.
Urlaub.
Interessanter ist manchmal die Frage:
Können wir auch einfach gemeinsam zu Hause sein?
Ohne permanentes Programm.
Ohne dass jemand sofort denkt, die Beziehung sei langweilig geworden.
Entspannte Beziehungen halten oft erstaunlich viel Normalität aus.
Freundinnen müssen ebenfalls nicht immer „etwas machen“
Treffen mit Freundinnen werden gerne organisiert.
Brunch.
Cocktails.
Shopping.
Wellness.
Dabei kann ein Nachmittag auf dem Sofa genauso schön sein.
Kaffee.
Irgendetwas zu essen.
Reden.
Vielleicht irgendwann bestellen.
Keine Reservierung.
Keine Uhrzeit, zu der man wieder weg muss.
Manchmal entstehen gerade dann die besten Gespräche.
Ein leerer Sonntag kann fast therapeutisch wirken
Sonntag hat traditionell ein kleines Imageproblem.
Samstag ist noch Wochenende.
Sonntag ist bereits der Tag vor Montag.
Je später es wird, desto stärker rückt die kommende Woche ins Bewusstsein.
Wenn der Sonntag zusätzlich voller Termine ist, verschwindet er besonders schnell.
Ein ruhiger Sonntag kann diesen Übergang weicher machen.
Spät frühstücken.
Spazieren.
Kochen.
Vielleicht Dinge für Montag vorbereiten.
Aber ohne Hetze.
Die berühmte Sonntagsmelancholie braucht keinen zusätzlichen Stress
Viele Menschen kennen dieses leichte Gefühl am Sonntagabend.
Das Wochenende ist vorbei.
Die Woche beginnt wieder.
Ein komplett durchgetakteter Sonntag verstärkt das manchmal noch.
Man kommt nach Hause.
Muss Sachen vorbereiten.
Wäsche fehlt.
Essen fehlt.
Und plötzlich ist es 21 Uhr.
Ein freier Nachmittag kann dafür sorgen, dass der Montag nicht bereits am Sonntagabend wie ein Überfall wirkt.
Haushalt darf am freien Wochenende passieren
Ein Wochenende ohne Termine bedeutet nicht, dass man zwei Tage regungslos auf dem Sofa liegen muss.
Vielleicht hat man sogar Lust, Dinge zu erledigen.
Keller sortieren.
Pflanzen umtopfen.
Schrank ausräumen.
Der Unterschied liegt darin, ob diese Dinge einen festen Zeitdruck haben.
Freiwillige Produktivität fühlt sich völlig anders an als Pflicht.
Man hört auf, wenn man keine Lust mehr hat.
Manchmal macht Aufräumen sogar Spaß
Ich weiß.
Ein gefährlicher Satz.
Aber mit genügend Zeit kann eine Aufgabe, die unter der Woche nervt, beinahe entspannend wirken.
Musik an.
Schublade ausräumen.
Dinge wegwerfen.
Keine Eile.
Das Problem ist nicht immer die Tätigkeit.
Oft ist es der Zeitdruck drumherum.
Auch Kochen verändert sich ohne Uhr
Unter der Woche ist Essen häufig Logistik.
Was geht schnell?
Was haben wir da?
Wann müssen alle fertig sein?
Am freien Wochenende kann Kochen plötzlich wieder Freizeit werden.
Etwas ausprobieren.
Langsam schneiden.
Ein Gericht machen, das zwei Stunden dauert.
Oder genau das Gegenteil:
Pizza bestellen und nichts tun.
Beides fühlt sich besser an, wenn es eine echte Wahl ist.
Wetter wird plötzlich weniger wichtig
Ein voll geplanter Ausflug kann durch Regen zum Problem werden.
Ein freies Wochenende nicht.
Es regnet?
Gut.
Dann bleibt man eben drin.
Sonne?
Vielleicht geht man spontan hinaus.
Man muss keine Wetter-App drei Tage vorher nervös aktualisieren.
Der Tag passt sich dem Wetter an.
Nicht umgekehrt.
Ein freies Wochenende muss auch nicht besonders instagramtauglich sein
Das ist vielleicht einer seiner größten Vorteile.
Kein spektakulärer Ort.
Kein perfektes Essen.
Keine Sehenswürdigkeit.
Kein Foto, das beweist, dass man ein aufregendes Leben führt.
Man hat einfach gelebt.
Das reicht vollkommen.
FOMO kann trotzdem zuschlagen
Natürlich sieht man am Samstagabend, was andere machen.
Festival.
Restaurant.
Kurztrip.
Party.
Berge.
Meer.
Und man selbst sitzt mit Jogginghose zu Hause.
Dann kann für einen Moment das Gefühl entstehen, etwas zu verpassen.
Vielleicht.
Nur sieht man in sozialen Medien selten das, was man selbst gerade hat:
Ruhe.
Keine Fahrzeit.
Keine Schlange.
Kein Parkplatzproblem.
Keine Rechnung.
Keine Rückfahrt.
Luxus fotografiert sich manchmal einfach schlecht.
Ein ruhiges Wochenende kann sogar Geld sparen
Das ist ein angenehmer Nebeneffekt.
Ausflug.
Restaurant.
Shopping.
Eintritt.
Hotel.
Benzin.
Unternehmungen kosten schnell Geld.
Zu Hause bleiben nicht unbedingt.
Natürlich kann man auch online einkaufen und sich Essen liefern lassen, bis das Gegenteil erreicht ist.
Aber grundsätzlich ist Nichtstun erfreulich günstig.
Man merkt erst in Ruhe, wie müde man eigentlich ist
Solange der Alltag läuft, funktioniert man.
Aufstehen.
Arbeiten.
Organisieren.
Weiter.
Dann kommt endlich ein freier Tag.
Und plötzlich könnte man zwölf Stunden schlafen.
Das kann irritieren.
Dabei hat der Körper möglicherweise nur endlich Gelegenheit, sich zu melden.
Dauernde Aktivität überdeckt Müdigkeit erstaunlich gut.
Ruhe macht sie sichtbar.
Erholung muss nicht spektakulär sein
Wellnesshotel klingt nach Erholung.
Massage.
Bademantel.
Fantastisch.
Aber auch das erfordert Anreise, Packen, Check-in und irgendwann wieder Heimfahrt.
Manchmal ist das wunderbar.
Manchmal ist das eigene Sofa tatsächlich effizienter.
Keine Anreise.
Keine Öffnungszeiten.
Bademantel ebenfalls möglich.
Der wahre Luxus ist oft Verfügung über die eigene Zeit
Luxus verbinden wir mit Geld.
Schönes Hotel.
Gutes Essen.
Teure Dinge.
Aber mit zunehmendem Alter verändert sich die Definition oft.
Zeit wird knapper.
Freie Tage wertvoller.
Ein Nachmittag, über den niemand außer mir verfügt, kann plötzlich kostbarer wirken als manches Produkt.
Vielleicht ist deshalb ein leerer Kalender manchmal tatsächlich Luxus.
Nicht weil nichts drinsteht.
Sondern weil die Zeit einem selbst gehört.
Manche Menschen brauchen dafür mehr Planung als andere
Paradoxerweise muss man freie Zeit manchmal planen.
Nicht mit Aktivitäten.
Sondern durch Blockieren.
Wenn man weiß, dass jeder freie Samstag automatisch mit Einladungen gefüllt wird, kann es helfen, bewusst einen im Monat freizuhalten.
Keine Verpflichtung.
Keine großen Termine.
Was daraus wird, entscheidet man später.
Das klingt organisiert.
Aber manchmal muss man sogar Spontaneität verteidigen.
Ein komplett freies Wochenende muss nicht jede Woche sein
Natürlich wäre ein Leben ohne Termine irgendwann ebenfalls langweilig.
Freunde.
Familie.
Ausflüge.
Kultur.
Reisen.
All diese Dinge machen das Leben reich.
Es geht nicht darum, sich dauerhaft zurückzuziehen.
Es geht um Rhythmus.
Auf volle Wochenenden dürfen leere folgen.
Auf Action Ruhe.
Auf Gesellschaft Alleinzeit.
Vielleicht haben wir Angst, langweilig zu wirken
„Was hast du am Wochenende gemacht?“
Diese Frage kommt montags zuverlässig.
„Nichts.“
Das klingt erstaunlich erklärungsbedürftig.
Als müsste man sofort ergänzen:
„Aber es war total schön.“
Dabei ist „nichts“ manchmal eine hervorragende Antwort.
Geschlafen.
Gegessen.
Gelesen.
Geruht.
Mit Familie zusammengesessen.
Kein spektakulärer Bericht.
Aber vielleicht genau das Wochenende, das man gebraucht hat.
Ruhe ist kein Zeichen dafür, dass nichts im Leben passiert
Ein Leben muss nicht permanent mit Highlights gefüllt sein.
Vielleicht wären Highlights sogar weniger besonders, wenn jeden Samstag eines stattfinden müsste.
Zwischen aufregenden Momenten braucht es Normalität.
Tage, an die man sich in fünf Jahren vermutlich nicht erinnert.
Das macht sie nicht wertlos.
Sie sind das Material, aus dem Alltag besteht.
Ein guter freier Tag hinterlässt manchmal gar keine Geschichte
Es gibt keinen Satz wie:
„Weißt du noch dieses legendäre Wochenende, an dem wir bis elf geschlafen und danach Wäsche gemacht haben?“
Wahrscheinlich nicht.
Trotzdem kann genau dieser Tag dafür sorgen, dass die nächste Woche leichter wird.
Nicht alles Wertvolle muss erinnerungswürdig sein.
Manches muss einfach nur guttun.
Vielleicht ist Erholung überhaupt weniger aufregend, als wir denken
Wir suchen oft nach dem perfekten Ausgleich.
Wellness.
Yoga-Retreat.
Kurzurlaub.
Digital Detox.
Das kann alles großartig sein.
Aber manchmal besteht Erholung lediglich daraus, zwei Tage lang nicht ständig auf die Uhr schauen zu müssen.
Kein Programm.
Keine Erwartungen.
Keine Fahrpläne.
Keine Reservierungen.
Der Kalender darf tatsächlich einmal leer bleiben
Es gibt diesen Impuls, freie Flächen sofort zu füllen.
Freitagabend noch nichts?
Da könnten wir doch …
Samstag frei?
Perfekt für …
Sonntag nichts geplant?
Dann besuchen wir …
Vielleicht nicht.
Vielleicht bleibt der Platz einfach leer.
Nicht versehentlich.
Absichtlich.
Und dann passiert meistens doch irgendetwas
Das Schöne ist:
Ein Wochenende ohne Termine bedeutet selten, dass wirklich gar nichts passiert.
Man bekommt plötzlich Lust auf einen Spaziergang.
Fährt spontan irgendwohin.
Ruft eine Freundin an.
Backt etwas.
Schaut einen Film.
Geht essen.
Oder bleibt eben doch den ganzen Tag zu Hause.
Der Unterschied ist nur:
Nichts davon stand vorher im Kalender.
Vielleicht fühlt sich genau deshalb alles leichter an
Kein Countdown.
Kein „Wir müssen los“.
Kein Blick auf die Uhr.
Kein nächster Programmpunkt.
Man kann bleiben, solange es schön ist.
Gehen, wenn man möchte.
Oder überhaupt nicht erst losfahren.
Das ist eine Freiheit, die im durchorganisierten Alltag überraschend selten geworden ist.
Am Sonntagabend muss man dann nichts vorweisen
Kein perfektes Foto.
Keine Geschichte.
Keine Liste erledigter Aktivitäten.
Vielleicht war das Wochenende objektiv völlig unspektakulär.
Aber man ist ruhiger.
Ausgeschlafener.
Vielleicht sogar ein bisschen gelangweilt.
Und genau das fühlt sich plötzlich ziemlich gut an.
Denn möglicherweise ist der größte Luxus nicht das Wochenende, an dem man besonders viel erlebt.
Sondern das, an dem endlich einmal niemand etwas von einem wollte.


